Reisebericht nach Niederschlesien von Silke Shimazu

Sechs Tage im August

Niederschlesien 2025 – Görlitz, Schmottseiffen und Breslau

von Silke Shimazu, Enkelin von Herbert Hübner (Schmottseiffen Haus 19)

9335 Hillery Drive #15306 San Diego, CA 92126 USA

Es war Heiligabend 2023, und alle Geschenke waren bereits ausgepackt – das dachte ich jedenfalls. Doch dann sagte mein Mann Mark zu mir: „Schau mal hinter den Weihnachtsbaum, da versteckt sich noch etwas.“ Neugierig sah ich nach und tatsächlich fand ich einen Briefumschlag mit meinem Namen darauf. Als ich ihn öffnete, konnte ich es kaum fassen: ein Gutschein für den übernächsten Sommer für eine Reise zu meinen Eltern nach Deutschland und Niederschlesien.

Auf nach Schlesien

Görlitz

2.8.2025

Mehr als anderthalb Jahre später ging es am 2. August 2025 für meine Eltern, Mark und mich endlich los. Nach einer langen Fahrt von Grevenbroich (NRW) aus erreichten wir die erste Etappe unserer Schlesienreise: die heute östlichste Stadt Deutschlands, Görlitz.

Im Hotel Schwibbogen in der historischen Altstadt, zwischen Ober- und Untermarkt, fanden wir eine gemütliche und einladende Unterkunft.

Silke und Mark

Geschichte zum Anfassen

3.8.2025

Den nächsten Tag verbrachten wir mit der Erkundung der Stadt, angefangen mit einem Besuch im Schlesischen Museum. Das Gebäude, der Schönhof, in dem es seinen Sitz hat, trägt seinen Namen zu Recht und gilt als eines der schönsten in der Görlitzer Altstadt.

Schon beim Betreten wurde deutlich: Die äußere architektonische Pracht des Hauses setzt sich auch inhaltlich in der Ausstellung fort.

Die sorgfältig gestalteten und thematisch vielfältigen Bereiche luden uns ein, in die facettenreiche Geschichte Schlesiens einzutauchen. Dabei gab es viel zu entdecken und zu bestaunen:

von kunstvoll geschnitzten Rübezahlfiguren über eine interaktive Mitmachstation zu berühmten Schlesiern bis hin zu einer beeindruckenden Vielzahl an Porzellan aus verschiedenen Epochen und Regionen Schlesiens. Hervorzuheben sind hier eine Vase und ein Kännchen mit Motiven aus unserer Kreisstadt Löwenberg (im Foto das 5. und 4. Objekt von rechts in der oberen Reihe). Während die Vase das Panorama der Stadt mit der katholischen Kirche zeigt, ist auf dem Kännchen das Rathaus abgebildet.

Besonders bewegend waren für uns als Nachkommen eines vertriebenen Schlesiers die Exponate rund um den Verlust der Heimat: etwa ein Vertriebenenausweis, wie ihn auch Opa besessen hat, auf der Flucht mitgenommene Hausschlüssel und – ähnlich wie die von uns 2017 auf Opas elterlichem Grundstück gesammelte Heimaterde – ein Schraubglas, gefüllt mit Steinkohle.

Tipp: Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt ins Museum frei!

Durch Görlitz‘ Gassen

Am Nachmittag begaben wir uns auf Stadtrundfahrt mit dem „Stadtschleicher“.

Auf vier Rädern und mit Sommerwind im Haar fuhren wir durch die Straßen von Görlitz, vorbei an vielen der durch die „Altstadtmillionen“ restaurierten Häuser. Schnell war klar, warum auch Hollywood die Stadt mit ihren malerischen Fassaden für sich entdeckt hat und sie seither als „Görliwood“ bekannt ist.

Vom Bus aus konnten wir schon einmal einen Blick auf die andere Seite der Neiße werfen, wo unsere Reise in Richtung Schmottseiffen weitergehen sollte.

Wiedersehen mit Schmottseiffen

Schmottseiffen

4.8.2025

Am kommenden Morgen wachten wir in der idyllisch gelegenen Pension Pod Lipami in Mois auf. Am Vorabend hatten wir uns von Görlitz in den kleinen Ort nahe der Löwenberger Schweiz aufgemacht, um dort Quartier für die folgenden drei Nächte zu beziehen.

Von links nach rechts: Silke, Mark, Helmi und Willi vor der Pension Pod Lipami

Wie Schmottseiffen ist Mois ebenso von Bedeutung für unsere Familiengeschichte, denn hier, im ehemaligen Haus 12, wurde Uropa Willi im Jahr 1893 geboren.

Damit stellt er eine Ausnahme in unserem Stammbaum dar: Alle Hübners vor und nach ihm – bis einschließlich Opa – sind aus Schmottseiffen, dem Hauptziel unserer Reise.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg dorthin, entlang uns vertrauter Häuser und Höfe, die wir noch von früheren Reisen kannten die Kirche St. Thekla stets im Blick.

Als wäre das Wiedersehen mit Schmottseiffen allein nicht schon ein Höhepunkt gewesen, bescherte uns dieser Tag darüber hinaus einen unvergesslichen Moment:

Nach Jahren unzähliger E-Mails und Telefonate sollten wir unseren 1. Vorsitzenden, Bernhard Lange, endlich persönlich kennenlernen.

Treffpunkt war der Aufgang zum Stationsberg in Mittel-Schmottseiffen. Wir waren bereits vor Ort, als Bernhard gemeinsam mit Hajo Ramisch (Haus 62 und 164a) eintraf – unserem neuesten Mitglied der Heimatfreunde – auf seiner ersten Schlesienreise.

Von links nach rechts: Willi, Silke, Bernhard, Helmi und Hajo

Nach einer freudigen Begrüßung allerseits wanderten wir den Kreuzweg hinauf. Dabei hatten wir nur ein Thema: Schmottseiffen und unsere Ahnen. Ich glaube, ich kann auch für Bernhard und Hajo sprechen, wenn ich sage, dass es sich so anfühlte, als hätten wir uns bereits zigmal zuvor getroffen – das beste Beispiel dafür, dass Schmottseiffen auch 78 Jahre nach der Vertreibung seine Bewohner bzw. deren Nachkommen miteinander verbindet.

Von links nach rechts: Hajo, Silke, Mark, Helmi und Willi

Aber Schmottseiffen bringt Menschen heute auch auf einer anderen Ebene zusammen. Am Nachmittag besuchten meine Eltern, Mark und ich – wie schon bei unseren ersten beiden Schmottseiffen-Reisen – die heutigen Besitzer des einstigen Hübner-Grundstücks (Nr. 19) mit denen wir mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. Sie erwarteten uns mit selbstgebackenem Kuchen, den wir uns bei bestem Sonnenschein und netten Gesprächen – übersetzt von der englischsprachigen Tochter – im Garten schmecken ließen.

Ein Gang über Opas angrenzendes elterliches Grundstück durfte natürlich auch nicht fehlen. Die Enkelkinder unserer Gastgeber tobten dabei umher, und meine Gedanken wanderten zu meinem Opa und seinen Brüdern. In meiner Vorstellung sah ich sie als Kinder genauso fröhlich und ausgelassen über die Wiese tollen. Auch wenn ich es vorher schon gewusst hatte, spürte ich es in diesem Moment ganz deutlich: Das Grundstück ist in guten Händen.

Und unsere Hübners sind auch nicht vergessen. Das Schild, das wir in Erinnerung an sie vor vier Jahren am Walnussbaum neben dem noch existierenden Keller angebracht haben, hängt weiterhin: „Schmottseiffen Haus 19 – Hier wohnte bis 1947 die Familie Willi Hübner.“

Passend dazu gab es zu meiner großen Überraschung dann noch ein Geschenk „unserer Polen“ an Mark und mich: ein von ihnen in Handarbeit gefertigtes Makramee, das uns beide vor besagtem Baum zeigt. Wie schon der Mauerstein, den sie uns vor acht Jahren vom Keller mitgegeben haben, wird auch dieses einen Ehrenplatz in unserem Zuhause bekommen.

Silke mit der heutigen Besitzerin von Grundstück 19 (rechts) und deren Tochter (mittig)

Am Abend waren wir wieder mit Bernhard und Hajo vereint, die den Nachmittag in Liebenthal verbracht hatten. Gemeinsam blickten wir in unserem Stammlokal Kuznia in Löwenberg auf den ereignisreichen Tag zurück. Hajo war so begeistert von den vielen Eindrücken, dass ich mich an mich selbst bei meiner ersten Reise nach Schmottseiffen erinnert fühlte – fasziniert und bewegt von Opas Geburtsort, eine Empfindung, die auch acht Jahre später noch in mir anhält.

Von links nach rechts: Silke, Bernhard, Hajo, Helmi und Willi

Gemeinsam gegen den Verfall

5.8.2025

Am Folgetag bekam unsere Gruppe für kurze Zeit Zuwachs durch Thomas Marin und Krystian Burczek. Der Diakon und der 1. Vorsitzende des Schlesischen Priesterwerks waren zusammen eigens angereist, um sich ein Bild vom aktuellen Zustand der zerstörten Priestergruft von Augustin Toepsch zu machen.

Als Seelsorger selbst plant Thomas die Restaurierung des Grabes, das zu den wenigen noch erhaltenen deutschen Gräbern auf dem Schmottseiffener Friedhof gehört.

Schon seit Jahren fehlen der darüber wachenden Heiligenfigur Kopf und Hände, und im Inneren der Gruft ist der Sarg aufgebrochen und von Unrat umgeben.

Um dem weiteren Verfall entgegenzuwirken, gelang es Thomas, mit Krystians und Bernhards Hilfe auch den heutigen Pfarrer von Schmottseiffen in einem Gespräch für das Projekt zu gewinnen.

Bei einer gemeinsamen Friedhofsbegehung und Begutachtung der Gruft kam zufällig ein Steinmetz vorbei, der eine erste Einschätzung der nötigen Arbeiten abgab und wertvolle Hinweise lieferte.

Was nun noch fehlt, sind Spenden, um die Restaurierung zu verwirklichen und Toepschs letzte Ruhestätte wieder würdevoll herzurichten.

Einen Großteil hat die Kardinal-Bertram-Stiftung bereits zugesagt – allerdings unter der Bedingung, dass auch von anderer Seite Mittel beigesteuert werden.

Wenn auch du in heimatlicher Verbundenheit zu Schmottseiffen die Rettung des Grabes unterstützen möchtest, würden wir uns sehr über eine Spende freuen. Jeder Betrag hilft, unser Vorhaben zu realisieren – und so ein Stück Kirchengeschichte des Dorfes zu bewahren. Die dazu nötigen Infos findest du am Ende dieses Artikels.

Toepsch Gruft August 2025, von links nach rechts: Pfarrer Stanisław Partyka, Steinmetz, Thomas, Krystian und Bernhard

Toepsch Gruft vor ihrer Zerstörung

Haus 104 – ein Fenster in die Vergangenheit

Wieder in der ursprünglichen Konstellation – meine Eltern, Mark, Bernhard, Hajo und ich – machten wir uns von dem zu restaurierenden Grab auf den Weg zu einem weiteren Restaurationsprojekt: dem Umgebindehaus von Katarzyna Żuk (heute Haus 104, früher 114).

Im Juli 2023 hatte mich die junge Polin zum ersten Mal angeschrieben, nachdem ihr ein gemeinsamer Bekannter von meiner intensiven Beschäftigung mit Schmottseiffens deutscher Vergangenheit erzählt hatte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie gerade das 1674 erbaute Haus erworben und wollte mehr über dessen Geschichte erfahren. Ich half ihr bei der Bestimmung der alten Hausnummer, ermittelte die früheren Eigentümer und konnte sie mit einer historischen Aufnahme des Hauses aus meinem persönlichen Archiv überraschen.

Das war der Anfang eines Austausches, der bis heute andauert. Seitdem hält sie mich über die Fortschritte bei der Renovierung auf dem Laufenden und berichtet, wenn das Haus wieder einmal eines seiner Geheimnisse offenbart. Gemeint sind die Fundstücke, die die einstigen Besitzer angesichts der Vertreibung versteckten und im Jahresheft 2024 im Bericht über Katarzynas Haus zu sehen sind.

Als feststand, dass meine Eltern, Mark und ich im August 2025 nach Schmottseiffen kommen würden, machten wir Pläne für ein Treffen – aber nicht irgendwo im Ort, sondern direkt bei ihr am Haus.

Es ist sofort ersichtlich, dass noch viel Arbeit erforderlich ist, um es wieder bewohnbar zu machen. Gleichzeitig erkennt man, was sich bereits alles getan hat – beispielsweise am neuen Dach.

Bei unserem Rundgang durch das Haus spürte man förmlich, mit wie viel Herzblut Katarzyna bei der Sache ist.

Neben den Fundstellen, an denen bei Aufräum- und Renovierungsarbeiten erwähnte Gegenstände der Vorbesitzer gefunden wurden, ist mir besonders der Keller im Gedächtnis geblieben. Zum einen, weil er aufgrund seiner jetzigen Beschaffenheit nur schwer zugänglich war und ich dabei meine Kletterfähigkeit unter Beweis stellen musste. Zum anderen, weil es die Art von Keller ist, wie sie auch unter dem Haus meiner Urgroßeltern – Hausnummer 19 – existiert haben muss und als einziger Zeitzeuge von damals noch erhalten ist.

Dank des Besuchs bei Katarzyna und ihrem „alten neuen Haus“ kann ich mir jetzt besser vorstellen, wie das frühere Zuhause meiner Familie ausgesehen haben könnte.

Von links nach rechts: Silke, Katarzyna und Bernhard

Letzter Halt in Schmottseiffen

Nach dem Besuch bei Katarzyna stand für uns sechs Heimatfreunde noch ein letzter gemeinsamer Programmpunkt auf dem Plan – die Besichtigung des ehemaligen Schmottseiffener Bahnhofs.

Zu unserer großen Freude nahm sich Herr Marcjan Majer, ein leidenschaftlicher Kenner des Ortes und heutiger Einwohner, Zeit für eine private Führung. Mit sichtbarer Begeisterung für die Geschichte Schmottseiffens öffnete er uns nicht nur die Türen des frisch sanierten und zum Gemeindehaus umfunktionierten Gebäudes, sondern teilte ebenfalls kleine Kapitel aus dessen Vergangenheit.

Besonders interessant war ein Foto eines alten deutschen Zeitungsartikels, der bei der Restaurierung der Anlage unter den Stufen in einem der Räume entdeckt worden war.

Als wir in eben jenem Raum standen, musste ich unweigerlich wieder an meine Ahnen denken wie wohl auch sie, zu unterschiedlichen Zeiten und Anlässen, hier am Bahnhof Abschied von Schmottseiffen genommen haben.

Dass sich am Ende unseres Aufenthalts in Schmottseiffen ausgerechnet hier ein Kreis schloss, machte diesen Augenblick besonders eindrucksvoll und rückte Vergangenheit und Gegenwart ganz nah zusammen.

Breslau, wir kommen

Breslau

6.8.2025

Während es für Bernhard und Hajo an diesem Tag jeweils wieder nach Hause ging, führte uns unsere Reise weiter in die frühere Hauptstadt Niederschlesiens – nach Breslau.

Bei einem ersten Stadtrundgang gelangten wir zum Marktplatz mit seinem Rathaus, das wir bereits als Miniatur im Schlesischen Museum in Görlitz bewundert hatten. Im Original war es noch imposanter und faszinierte uns mit seinen vielen architektonischen Details.

Im dortigen „Schweidnitzer Keller“ genossen wir anschließend ein leckeres Abendessen in historischem Ambiente.

Drei Perspektiven auf Breslau

7.8.2025

Am Morgen kehrten wir zum Rathaus zurück, das diesmal Ausgangspunkt unserer kostenlosen Städtetour mit „Walkative“ war.

Zu Fuß, unter der Leitung einer Stadtführerin, erkundeten wir in zweieinhalb Stunden den „Ring“, die einstige Schlachtergasse, Universität und Dominsel – immer unter den wachsamen Augen der überall in der Stadt verteilten Zwerge.

Tipp: Am Ende der Führung entscheidet jeder Teilnehmer selbst, ob und wie viel Trinkgeld er geben möchte.

Nach der Tour wechselten wir die Gangart und Perspektive und setzten die Erkundung von Breslau in einer Kutsche fort.

Darin sitzend fühlten wir uns in eine andere Zeit zurückversetzt. Passanten am Straßenrand schauten neugierig und winkten uns zu, während wir die Sehenswürdigkeiten auf uns wirken ließen.

Im Takt des Pferdes, das Klappern der Hufe im Ohr, fuhren wir vom Markt zur Dominsel und wieder zurück.

Tipp: In der Altstadt gibt es nur einen Anbieter von Kutschfahrten – du findest ihn und sein Belgisches Kaltblut in Marktnähe.

Sowohl zu Fuß als auch bei der Kutschfahrt empfanden wir die Dominsel mit ihrer gotischen Kirche als den schönsten Teil Breslaus.

Am Abend unternahmen Mark und ich von hier noch eine romantische Bootsfahrt auf der Oder. Vom Wasser aus bot sich uns noch einmal ein ganz anderer Anblick auf die Stadt und ihre Architektur.

In der Ferne sahen wir die bekannte Jahrhunderthalle, doch mehr als ein Blick von Weitem war uns diesmal nicht vergönnt – Anlass, irgendwann noch mal nach Breslau zu fahren!

Mit diesen Eindrücken endete aber vorerst unsere Zeit in Schlesien, und wir traten die Heimreise mit Zwischenstopps in Seiffen (Erzgebirge) und Dresden an.

Im Gepäck: viele neue Erinnerungen und der Wunsch, bald in Opas alte Heimat wiederzukehren.

Dominsel

Ich hoffe, dass unsere Erlebnisse Lust machen, selbst (noch mal) nach Schlesien zu reisen und die Verbindung zu den Wurzeln lebendig zu halten.

Herzliche Grüße,

Silke Shimazu (geb. Hübner)

Silke Shimazu, 9335 Hillery Drive #15306, San Diego, CA 92126, USA

Bei Rückfragen oder wenn du Informationen zu Familie Hübner (Schmottseiffen Haus 19) hast, zögere bitte nicht, mich zu kontaktieren:

Email: silkeshimazu@gmail.com

oder Hans Wilhelm Hübner (Vater), Mecklenburger Str. 23, 41515 Grevenbroich

Telefon: 02181/45049           

Spenden Toepsch Gruft

Konto-Inhaber: Johannes Georg Hoferichter

IBAN: DE86 1203 0000 1208 1064 25

BIC: BYLADEM1001

Verwendungszweck: Priestergrab Schmottseiffen

Schmottseiffen und das Riesengebirge August 2021 von Silke Shimazu (Enkelin von Herbert Hübner, Schmottseiffen Haus 19)

Fortsetzung (Teil 1 )

Zum Geburtstag auf die Schneekoppe
8. August 2021
„Er hat uns vom Himmel aus zugesehen“, so mein Vater. Gemeint war Grossonkel Alfred, der 87 Sommer vor uns mit einer Gruppe anderer Kinder der Schmottseiffener Niederdorfschule und Lehrer Emil Meissner die Schneekoppe erklommen hatte (siehe Foto Löwenberger Heimatgrüsse Mai 1988 Seite 12).
Die Route, die sie damals über den Melzergrund hinaufgeführt hatte, haben wir auf dem Rückweg genommen. Rauf ging es für uns auf dem direkt vor unserem Hotel im Stadtteil Wolfshau beginnenden Wanderpfad.
Dieser scheint weniger bekannt zu sein, denn für eine Weile waren es nur wir vier und die Natur. Herrlich!
Gleich zu Anfang mussten wir eine Strömung durchqueren, was wir aber alle ohne nass zu werden gemeistert haben.
Fortan ging es sprichwörtlich über Stock und Stein. Nur gut, dass wir uns bei den Wanderungen die Tage zuvor bereits warmgelaufen hatten.
Auf einmal wurden wir aus unserer Einsamkeit gerissen. Am Wegesrand eine gut getarnte, fette Kröte. Nur eine Kröte oder war es gar Rübezahl, der ihre Gestalt angenommen hatte?
Jedenfalls liessen wir uns nicht vom Weg abbringen und gelangten bald an den tschechischen Grenzübergang am Eulenpass.

Grenzübergang am Eulenpass, Schneekoppe

An einem Picknicktisch der nahen Jelenka-Baude (deutsch Emmaquellenbaude) machten wir zwischen polnischen und tschechischen Stimmen Rast. Ein Wegweiser verriet: noch 3,3 km bis zur Schneekoppe!
Beim Näherkommen sah es zwischenzeitlich von der Schwarzen Koppe mal so aus, als würde sich der Himmel über der „Aalen Gaake“ zuziehen. Doch Petrus meinte es gut mit uns. Als wir den Jubiläumsweg hochstiegen, schob er den Regen weg. So wie es sich gehört, wenn ein Geburtstagskind im Anmarsch ist, das sich in 1603 Metern Höhe am Panorama erfreuen möchte. Ein Geschenk, das buchstäblich nicht zu toppen ist.

Wetterstation Schneekoppe
Aussicht Schneekoppe


Eine Landschaft wie in Kanada & eine Ikone aus Norwegen
9. August 2021
Nein, wir haben an diesem Tag nicht die müden Füsse hochgelegt. Stattdessen haben wir uns noch mal die Wanderschuhe angezogen.
Als „eine Landschaft wie in Kanada“ hatte ein hoteleigener Bergführer die Gegend rundum den Kleinen Teich angepriesen und das wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Ich kenne Kanada bisher zwar nur von Bildern; was wir aber am Kleinen Teich sahen, kam meiner Vorstellung davon sehr nahe: glasklares Wasser und mächtige Berge vereint in wildromantischer Natur.

Teichbaude im Riesengebirge

Eine Beschreibung, wie sie auch auf Norwegen, der ursprünglichen Heimat der auf unserem Weg liegenden Holzstabkirche Wang passen könnte.

Kirche Wang

Seit 1844 hat sie ihren Platz unterhalb der Schneekoppe, aber fast wäre es anders gekommen und sie hätte auf der Pfaueninsel in Berlin ein neues Zuhause gefunden.
Unvorstellbar, ist sie doch aus Brückenberg nicht wegzudenken. Ihre Popularität dürfte mit ein Grund dafür sein, warum der angliedernde Eingang zum Nationalpark Riesengebirge belebter ist, als an anderen Stellen.
Tipp: Wer wie wir mögliche Schlangen an den Kassen umgehen möchte, kauft seine Tickets am besten vorab auf der Internetseite des Nationalparks

Inspiration Riesengebirge
10. August 2021
Donner, Rauschen! Aus 13 Metern stürzt das Wasser hinab in die Tiefe und macht ihn damit zum zweithöchsten Wasserfall des Riesengebirges. Die Rede ist vom Kochelfall, der uns am Tag vor unserer Abreise nach Petersdorf führte.
Bei einem Spaziergang entlang des gleichnamigen Flusses ist er leicht zu erreichen, wodurch er zahlreiche Besucher anzieht.
Blendet man aber alle Menschen aus, ist es ein paradiesischer Ort, der verdeutlicht, warum so viele Künstler im Riesengebirge Inspiration fanden.

Kochelfall

Wie Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann dessen Haus, Villa Wiesenstein, in Agnetendorf wir im Anschluss besichtigten.

Villa Wiesenstein Agnetendorf

So beeindruckend es mit seinen Türmchen und den durch die Bäume blitzenden, roten Dachziegeln von aussen ist, übertrifft sein Inneres alles. Allem voran die Empfangshalle an deren Sternenhimmel und bunten Wandmalereien ich mich nicht sattsehen konnte.
Dargestellt sind von Maler Johannes Avenarius Szenen aus Hauptmanns Leben und Werken unter die sich Blumen aus dem Riesengebirge mischen.

Empfangshalle Villa Wiesenstein

Auf seinem täglichen „Produktivspaziergang“ durch das selbige sammelte Hauptmann in einem Notizbuch Ideen und Reflexionen, die er danach im „Laboratorium“, wie er das Arbeitszimmer im ersten Stock nannte, seinem Sekretär diktierte. Verbleibende Zeugen dieses Rituals sind eine Schreibmaschine und ein grosser Schreibtisch. Dahinter ebenso grosse Fenster mit Ausblick in die ihn inspirierende Natur.

Gerhart Hauptmanns Arbeitszimmer in der Villa Wiesenstein

Abschied von Schlesien
11. August 2021
„Ich bin nur so traurig, weil es so schön war.“ Das sagte ich mir beim Blick auf das heutige Zgorzelec. Wir hatten am Morgen Krummhübel verlassen und standen jetzt am Neisseufer in Görlitz. Nach einer ereignisreichen Woche hiess es Abschied nehmen von Opas Heimat Schlesien, die ja auch irgendwo unsere ist.

Blick von Görlitz auf das heutige Zgorzelec

Wir waren noch in Görlitz, da machten wir beim Mittagessen im Schatten des „Dicken Turms“ bereits Pläne für unsere Rückkehr.
Bis es so weit ist, werden wir von den Erinnerungen an die 8 Tage im August zehren und auch darüber hinaus an jedem meiner Geburtstage an diesen einen ganz besonderen auf der Schneekoppe zurückdenken.
Wenn Sie bis hierher gelesen haben, bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und die Gelegenheit die Reise beim Schreiben noch einmal erlebt zu haben.
Bei Rückfragen und/oder Informationen zu Familie Hübner (Schmottseiffen Haus 19) scheuen Sie sich bitte nicht, mich zu kontaktieren.
Email: huebner_silkesf@yahoo.com





Auf Stippvisite in Schmottseiffen

Juli 2023

Die Sehnsucht war zu groß geworden, also stand der Entschluss fest: Eine Kurzreise von Berlin nach Schmottseiffen mit dem Auto.

Abfahrt kurz nach sechs in der Frühe, der Verkehr in der Ferienzeit Mitte Juli ist merklich geringer geworden, so dass die Fahrt zügig voranging.

Ein wenig bange sah ich der Autobahn nach einem kaum merklichen ‚Grenzübertritt‘ hinter Forst entgegen, befand sich vor wenigen Jahren dort noch ein Abschnitt, wie er nach der ursprünglichen Bauzeit der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zu erwarten war.

Aber die Überraschung war freudig: Der Verkehr gleitet auf der zurzeit halb fertig gestellten Fahrbahn einspurig zügig dahin, allerdings bedrängt von ungeduldigen ‚Einheimischen‘, für die die Geschwindigkeitsbegrenzung wohl eher eine Empfehlung darstellt.

Löwenberg: Bunzlauer Tor

Bald ist die Abfahrt nach Bunzlau erreicht, dann geht es zügig über Löwenberg nach Schmottseiffen.

Die Fahrt durch die liebliche niederschlesische Landschaft lässt schon bald eine Art Urlaubsgefühl aufkommen; hier scheint der Klimawandel den Mischwald noch nicht so stark beeinträchtigt zu haben wie in den brandenburgischen Kiefernwäldern.

Dann endlich erscheint der Kirchturm von St. Thekla, kurz nach der Einfahrt ins Dorf die Begrüßung durch die an Disneyland erinnernden überlebensgroßen Figuren der Schlesischen Legende. Dazu wird noch an anderer Stelle zu berichten sein.

Neu ist der Supermarkt, der den kleinen Laden gegenüber vom Ruprecht-Bäcker verdrängt zu haben scheint.

Das Schwesternhaus steht auch noch, wenn auch die letzten Jahre wohl recht bewegt vergangen sind. Herr Hartel empfängt wie immer freundlich, er hat viel zu tun.

Zuerst einmal geht es zur Kirche und zum Friedhof. Man sieht dem Gebäude an, dass die letzte Renovierung schon ein paar Jahre her ist, der Anstrich blättert an vielen Stellen. Zum Glück ist das Haupttor geöffnet, dann aber ist der Innenraum durch eine Gittertür versperrt, so dass nur ein beschränkter Einblick möglich ist. Viel hat sich wohl nicht geändert seit dem letzten Besuch vor ein paar Jahren. Es wäre interessant zu erfahren, wie sich der Kirchbesuch in Schmottseiffen entwickelt hat.

Der Friedhof bietet den bekannten Anblick mit den bunten Plastikblumen, die so manches überdecken. Das Grab der Großeltern von Bischof Müller sieht noch immer ansehnlich aus, dagegen verfällt die Begräbnisstätte des Pfarrverwesers Toepsch immer mehr; ein Blick ins Innere kann einen nur erschauern lassen.

Auf dem Rückweg dann das erfreuliche Erlebnis dieser Stippvisite. Am Fuße des Wegs zur Kirche haben es sich zwei Frauen zur Aufgabe gemacht, den Sockel des Kruzifixes neu zu bemalen. Die Jüngere spricht deutsch und erklärt, dass sie und ihre 86jährige Mutter es nicht länger mit ansehen konnten, wie dieses christliche Symbol verfiele.

So kauften sie im Baumarkt Farben und Pinsel und machten sich ans Werk.

Mein nächstes Ziel ist der Bahnhof Schmottseiffen, von dessen wundersamer Verwandlung ich schon erfahren hatte. Tatsächlich ist die Überraschung groß, als ich das Gebäude in frischer, abgestrahlter Verfassung erblicke. Besonders erfreulich ist die deutschsprachige Beschriftung. Im Inneren ist  nicht viel zu erkennen, die meisten Räume stehen noch leer; in einem befindet sich eine Tischtennisplatte. Man darf gespannt sein, wie die zukünftige Nutzung als Gemeindezentrum aussehen wird.

Mit meinem Klapprad breche ich dann auf dem schönen Radweg in Richtung Löwenberg zum Mittagessen auf. In Löwenberg hat sich auch nicht viel verändert; der Marktplatz ist ansehnlich wie immer, der Hauptverkehr verläuft ja längst um den Stadtkern herum, so dass eine angenehme Atmosphäre herrscht.

Schon bald nach meiner Rückkehr in Schmottseiffen trete ich dann die Heimreise an, die genauso unproblematisch verläuft wie die Hinreise.

Mein Entschluss steht fest: Bis zur nächsten Fahrt nach Schmottseiffen wird bestimmt nicht mehr so viel Zeit vergehen wie beim letzten Mal, dann aber hoffentlich mit ein paar Heimatfreunden.

                                                                                                        Text und Fotos: Bernhard Lange

  1. August 2021
    Was schenkt man einer begeisterten Familienforscherin mit Wurzeln in Schlesien zum runden Geburtstag? Eine Reise in die Heimat ihrer Ahnen. Das haben sich meine Eltern und Mann Mark gedacht und mir, die seit unserer ersten Schlesienfahrt 2017 von nichts anderem mehr sprach damit einen Herzenswunsch erfüllt. Aufgrund der Pandemie hat sich das Wiedersehen mit der „Schläsing“ um ein Jahr nach hinten verschoben, aber umso grösser war die Freude, als es am 4. August 2021 für uns vier von Grevenbroich (NRW) aus endlich gen Osten ging. Die Fahrt führte uns einmal quer durch Deutschland. Nach einer kurzen Verschnaufspause in Leipzig erreichten wir via Görlitz und Greiffenberg unser Ziel: Opas Geburtsort Schmottseiffen.
    Der uns schon vertraute Kirchturm St. Theklas begrüsste uns und wir bezogen Quartier in Herrn Hartels beiden Bungalows.
    Beflügelt davon wieder zurück zu sein, waren wir schnell neuen Tatendrangs. Zuerst kehrten wir in unserem „Stammlokal“ im benachbarten Löwenberg ein, bevor Mark und ich noch einen Spaziergang durch Mittel-Schmottseiffen machten.
    Der abendliche Himmel bot dabei ein farbenprächtiges Wolkenspiel, das in mir nur einen Gedanken hervorrief: „Da freut sich jemand mit uns über unsere Rückkehr.“
    Erschöpft, aber gespannt auf das, was kommen würde, fielen wir ins Bett.

Alte Spuren suchen & neue hinterlassen

  1. August 2021
    Der nächste Tag begann mit einer Wanderung auf den vor unserer Haustüre liegenden Stationsberg. Vorbei an den von Familie Hoferichter geschaffenen Kreuzwegstationen gelangten wir nach oben. Von dort hatte ich gehofft, die ikonische Aufnahme Mittel-Schmottseiffens mit Schwesternhaus und Kirche nachzustellen, musste aber erkennen, dass die Sicht heute wegen zu dichter Bäume nicht mehr so frei ist, wie sie es zu Opas Zeiten gewesen sein muss. Bergab gelang es uns dann aber doch noch dank einer Lichtung beide Schmottseiffener Wahrzeichen festzuhalten

Vom Stationsberg machten wir uns auf den Weg ins Niederdorf. Hier liegt unweit des ehemaligen Bahnbeamtenhauses Nr. 14, umgeben von viel Wiese und in Richtung eines Hügels, das Grundstück, auf dem Opa (Jahrgang 1926) geboren und aufgewachsen ist. Ich sage bewusst Grundstück, denn sein Elternhaus, Haus 19, steht heute nicht mehr.
Trotzdem ist ein Besuch hier für uns jedes Mal ein Muss. Während wir vier Jahre zuvor Heimaterde und einen Mauerstein vom noch existierenden Aussenkeller als Andenken mitgenommen hatten, haben wir diesmal etwas dagelassen: eine Erinnerungstafel, die nun an einem Walnussbaum hängend unserer Hübners gedenkt.

Natürlich in Absprache mit den heutigen Besitzern bei denen wir darauf-hin noch zu Kaffee und Gebäck eingeladen waren. Hinzukam ihre flies-send Englisch sprechende Tochter, die als Dolmetscherin agierte.
Sie hätte ich auch gerne an unserer Seite gehabt, als wir uns später mit dem Schmottseiffener Pastor getroffen haben. Durch die moderne Tech-nik war die Verständigung mit ihm jedoch mittels einer Übersetzungs-app ebenfalls kein Problem.
Schon im Vorfeld hatte er in den Kirchenbüchern St. Theklas erfolg-reich nach Hübner Einträgen für meine Forschung gesucht, so dass un-sere ganze Aufmerksamkeit dem Inneren der Kirche gelten konnte. Da-bei haben wir das nachgeholt, was wir beim letzten Mal versäumt hatten und sind zur Orgel emporgestiegen.
Carl Friedrich Ferdinand Buckows drittes Werk ist etwas in die Jahre gekommen, aber die deutschen Bezeichnungen der Registerzüge sowie die Namensplakette von Umbauer und Orgelbaumeister Max Eichler ha-ben sich erhalten.

Weitere Spuren der deutschen Ortsvergangenheit gab es im örtlichen Museum, dem einstigen Schuhmacherhaus der Familie Dittrich in Ober-Schmottseiffen, zu entdecken. Darunter z.B. die Grabtafel der früheren Hausherrin Maria Theresia geb. Baumert, das Halsband von Kantor Rin-gelhanns Hund und die Namensschablonen für Landwirt Bruno Pauls Getreidesäcke. Nicht zu vergessen, die vielen Alltagsgegenstände. Bei der Vorstellung, dass einer davon einmal meiner Familie gehört haben könnte, erschien ein Löffel oder Kleiderbügel plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Auge in Auge mit Rübezahl

  1. August 2021
    Bisher hatten wir sie immer nur im Vorbeifahren vom Auto aus bewun-dert: die eindrucksvollen Felsformationen am Strassenrand südlich von Löwenberg bekannt als Löwenberger Schweiz.
    Das sollte sich mit dem Wanderführer des Löwenberger Regionalvereins (Lwóweckie Towarzystwo Regionalne) in der Hand an diesem Tag än-dern. Vom Löwenberger Marktplatz kommend, erreichten wir über den Hospitalberg und die Ruinen des Boberhauses den in den Wald führen-den Wanderweg.

Ab jetzt galt es die Augen nach Spuren des sagenumwobenen Berggeists Rübezahl offenzuhalten von dem mir als Kind Opa oft erzählt hatte.
Turm- und pilzartige Felsen regten unsere Fantasie an, doch sein „Herz“ in Form eines Steins, das hier zu finden sein soll, blieb uns verborgen.


Entschädigt wurden wir oben angekommen mit einer klaren Aussicht, die das Gebirge in der Ferne erahnen liess.

Nach einer wohlverdienten Stärkung wanderten wir weiter zum BuchWer mit dem Wanderweg vertraut ist, weiss, wo diese Begegnung statt-gefunden hat: in einer versteckten, über Treppenstufen zugänglichen Ni-sche, die auf den gegenüberliegenden Felsen verweisend die Inschrift „Zum Rübezahl“ trägt. Ein früher darüber angebrachtes Medaillon oder Ähnliches fehlt.
Im Gegensatz dazu ist der Obelisk im Buchholz nicht ganz verschwun-den. Überreste seines Fundaments liegen verstreut und moosüberwach-sen auf dem Waldboden. Hier war all unsere Vorstellungskraft gefragt, um sie gedanklich wieder zu dem thronenden Objekt zusammenzufügen, das es einst war.

Genauso viel, wenn nicht noch mehr Fantasie verlangte uns der wenige Gehminuten entfernte Blücherplatz ab, wo seit 1814 fast jedes Jahr Ende August das über die Grenzen Löwenbergs bekannte Fest zu Ehren des die Stadt von den Franzosen befreienden Feldmarschalls abgehalten worden war. Von dem was den Festplatz samt seines Restaurationsge-bäudes mal ausgemacht hat, ist nicht mehr viel übrig.
Blüchers Büste aus carrarischem Marmor von 1841 ist heute im Mu-seum im Löwenberger Rathaus zu sehen mit dessen Besuch wir den Tag ausklingen liessen.

Über den Dächern von Hirschberg

  1. August 2021
    Ein letzter Blick auf St. Thekla und das Schwesternhaus und schon war die Zeit in Schmottseiffen wieder vorbei. Grund traurig zu sein hatten wir aber nicht, denn schliesslich ging unsere Reise noch weiter: über Hirschberg ins Riesengebirge.
    In Hirschberg bummelten wir zu Akkordeonklängen eines Strassenmusi-kanten durch die malerische Altstadt und erkundeten ihre Sehenswürdig-keiten.
    Am „Ring“ wurde gerade eine Open-Air-Bühne aufgebaut für deren Aufführung man keine bessere Kulisse als das Rathaus und die bunten Bürgerhäuser hätte wählen können.
    Bunt, lebendig und geschichtsträchtig, so präsentierte sich uns die „Perle des Riesengebirges“.
    Mark, gebürtig aus Kalifornien, war besonders von den vielen histori-schen Gebäuden angetan, die es in dieser Anhäufung in seiner Heimat nicht gibt.
    Von einem davon, dem Burgtorturm, genossen wir die Sicht über die Stadt; die Bergwelt zum Greifen nah. Der Turm ist kostenfrei zu bestei-gen, aber Vorsicht, man muss schwindelfrei sein. Ist man es nicht, schickt man seinen Mann auf die oberste Aussichtsplattform zum Foto-grafieren (zwinker).

Wird fortgesetzt!