Schmottseiffen in historischen Aufnahmen

Liebe Heimatfreunde,

wir haben eine wunderbare Bereicherung für unser Archiv und unsere Homepage erhalten: Frau Claudia Schütze aus Dresden hat uns ein umfangreiches Konvolut von 20 historischen Fotografien digital zur Verfügung gestellt, die das Leben im alten Schmottseiffen wieder lebendig werden lassen.

Neben bekannten Wahrzeichen und Ecken wie St. Thekla und der Niederdorfschule lassen uns die Aufnahmen tief in die Familiengeschichte der Familie Scholz eintauchen.

Wir danken Frau Schütze von Herzen für dieses wunderbare Material und sind uns sicher, dass es bei vielen Heimatfreunden und Familienforschern auf großen Anklang stoßen wird.

Frau Schütze ist die Tochter von Otto König, 1920 im Johannenhof geboren, und Enkelin von Anna geb. Scholz und Maximilian König (Nowag/Neisse). Ihre Großmutter war die jüngste Tochter von Jakob Scholz und Rosina geb. Stelzer. Der Familie gehörte das Haus Nr.5. 

Die Aufnahmen im Überblick:

  • Foto 1 & 2: 1937 – Die letzten Scholz-Besitzer: Paul (1883–1940) mit seiner Frau
  • Foto 3: 1901 – Jakob Scholz (Vater von Anna verh. König) mit Sohn Paul und Schwiegersohn August Hauke
  • Foto 4: Eine Madonna (einst zum Scholz-Haus gehörend)
  • Foto 5 & 6: 1957 – Die Gräber von Jakob und Paul Scholz
  • Foto 7: Mittel-Schmottseiffen, Haus 152 & St. Thekla
  • Foto 8: Mittel-Schmottseiffen, St. Thekla
  • Foto 9: Der Bach
  • Foto 10: Mittel-Schmottseiffen – rechts die alte Post
  • Foto 11: Der Aufgang zur Kirche
  • Foto 12: Mittel-Schmottseiffen, Heiligenhäuschen, St. Thekla im Hintergrund
  • Foto 13: Die Niederdorfschule
  • Foto 14: Der Johannenhof (Geburtshaus von Frau Schützes Vater, 1920)
  • Foto 15: Die Haltestelle Nieder-Schmottseiffen
  • Foto 16: Schmottseiffen im Jahr 1937
  • Foto 17: Schmottseiffen im Jahr 1991
  • Foto 18 & 19: Rosina und Jakob Scholz (Frau Schützes Urgroßeltern)
  • Foto 20: Agnes Scholz (Frau Schützes Großtante, seit der Flucht mit Ziel Dresden vermisst)

Haben auch Sie historische Fotos, Postkarten oder Dokumente aus Schmottseiffen? Melden Sie sich gerne bei uns – bewahren wir gemeinsam das Erbe unserer schlesischen Heimat!

100 Jahre Herbert Hübner 

Das Gespräch am Küchentisch:   

Bedburdyck, 3. September 1988

16-jährig und in Schwarz-Weiß schaut mich Opa Herbert an. Er trägt Anzug und Krawatte. Ohne Lächeln im Gesicht steht er da und wirkt ungewohnt ernst.

„Opa, wer sind die anderen auf dem Foto?“, frage ich mit der kindlichen Neugier einer Achtjährigen und wende mich ihm neben mir sitzend zu. Erwartungsvoll blicke ich in seine Augen – diesmal in ihrem mir so vertrauten Blau-Grau.

„Das, mein Enkelchen“, sagt er leise, „sind meine Eltern und Brüder in Schlesien. Mutter Klara, Vater Willi, Georg und Walter.“

Opa hält inne. „Nur einer fehlt. Mein Bruder Alfred. Er war zu diesem Zeitpunkt schon im Krieg und hatte zuletzt vor Monaten geschrieben. Hier, das ist sein Foto auf dem Tisch.“ Behutsam tippt er mit seinem Zeigefinger darauf. „Und Walter, du siehst, er trägt Uniform, musste nach seinem Heimaturlaub auch wieder an die Front. Wir haben ihn und Alfred nie wiedergesehen. Aber das wussten wir am Tag dieser Aufnahme noch nicht.“

Opa verstummt und scheint mit seinen Gedanken weit weg. Mit einer Umarmung hole ich ihn ins Hier und Jetzt zurück. „Wo ist eigentlich Schlesien, Opa?“

„Als ich so alt war wie du, lag Schlesien im Osten Deutschlands. Nie hätten wir gedacht, dass es mal anders sein würde, aber nach dem verlorenen 2. Weltkrieg ging Schlesien an Polen.“

„Und was wurde aus dir, deiner Familie, Freunden und Nachbarn?“

„Wir mussten unsere Heimat verlassen und fremde Menschen zogen in unsere Häuser, Dörfer und Städte. Unser Besitz fiel in ihre Hände und wir durften nur das mitnehmen, was wir tragen konnten. So wie meine Eltern unser Familienfoto hier.“

Heute: San Diego, 9. Juli 2026  

Fast vier Jahrzehnte sind seit jenem Nachmittag am Küchentisch vergangen. Mein Opa Herbert wäre in diesem Jahr am 24. August 2026 100 Jahre alt geworden. 

Er ist schon lange nicht mehr an meiner Seite, um mir meine Fragen zu beantworten, aber das Foto von 1943 liegt noch immer vor mir –

jetzt, hier in San Diego, tausende Kilometer von Bedburdyck entfernt. Und der Drang, die Antwort auf meine kindliche Frage – „Wo ist eigentlich Schlesien?“ – nicht nur im Atlas, sondern mit dem Herzen zu finden, hat mich nie losgelassen. 

In den letzten neun Jahren bin ich diesem innerlichen Rufen gleich drei Mal gefolgt. Ich stand auf dem Grundstück von Haus 19, habe in verstaubten Kirchenbüchern die Namen meiner Vorfahren entdeckt und bin zusammen mit meinen Eltern und meinem amerikanischen Ehemann durch die Straßen gegangen, die Opa Herbert einst Heimat nannte.  

Zu seinem 100. Geburtstag schließt sich für mich der Kreis. Ich kann sagen, ich habe Schlesien gefunden, Opa!

Ich habe die Puzzleteile deiner Geschichte zusammengesetzt und sie bewahrt.

Du bist nicht mehr hier, aber dein Gesicht und deine Geschichte sind unvergessen – von Schmottseiffen bis nach Kalifornien. Alles Liebe zum 100. Geburtstag, Opa.

Deine Silke

Anmerkung zum Familienfoto: aufgenommen vor der 2. Augusthälfte 1943 durch Fotograf Rehnert in Löwenberg

Schmottseiffen und das Riesengebirge August 2021 von Silke Shimazu (Enkelin von Herbert Hübner, Schmottseiffen Haus 19)

Fortsetzung (Teil 1 )

Zum Geburtstag auf die Schneekoppe
8. August 2021
„Er hat uns vom Himmel aus zugesehen“, so mein Vater. Gemeint war Grossonkel Alfred, der 87 Sommer vor uns mit einer Gruppe anderer Kinder der Schmottseiffener Niederdorfschule und Lehrer Emil Meissner die Schneekoppe erklommen hatte (siehe Foto Löwenberger Heimatgrüsse Mai 1988 Seite 12).
Die Route, die sie damals über den Melzergrund hinaufgeführt hatte, haben wir auf dem Rückweg genommen. Rauf ging es für uns auf dem direkt vor unserem Hotel im Stadtteil Wolfshau beginnenden Wanderpfad.
Dieser scheint weniger bekannt zu sein, denn für eine Weile waren es nur wir vier und die Natur. Herrlich!
Gleich zu Anfang mussten wir eine Strömung durchqueren, was wir aber alle ohne nass zu werden gemeistert haben.
Fortan ging es sprichwörtlich über Stock und Stein. Nur gut, dass wir uns bei den Wanderungen die Tage zuvor bereits warmgelaufen hatten.
Auf einmal wurden wir aus unserer Einsamkeit gerissen. Am Wegesrand eine gut getarnte, fette Kröte. Nur eine Kröte oder war es gar Rübezahl, der ihre Gestalt angenommen hatte?
Jedenfalls liessen wir uns nicht vom Weg abbringen und gelangten bald an den tschechischen Grenzübergang am Eulenpass.

Grenzübergang am Eulenpass, Schneekoppe

An einem Picknicktisch der nahen Jelenka-Baude (deutsch Emmaquellenbaude) machten wir zwischen polnischen und tschechischen Stimmen Rast. Ein Wegweiser verriet: noch 3,3 km bis zur Schneekoppe!
Beim Näherkommen sah es zwischenzeitlich von der Schwarzen Koppe mal so aus, als würde sich der Himmel über der „Aalen Gaake“ zuziehen. Doch Petrus meinte es gut mit uns. Als wir den Jubiläumsweg hochstiegen, schob er den Regen weg. So wie es sich gehört, wenn ein Geburtstagskind im Anmarsch ist, das sich in 1603 Metern Höhe am Panorama erfreuen möchte. Ein Geschenk, das buchstäblich nicht zu toppen ist.

Wetterstation Schneekoppe
Aussicht Schneekoppe


Eine Landschaft wie in Kanada & eine Ikone aus Norwegen
9. August 2021
Nein, wir haben an diesem Tag nicht die müden Füsse hochgelegt. Stattdessen haben wir uns noch mal die Wanderschuhe angezogen.
Als „eine Landschaft wie in Kanada“ hatte ein hoteleigener Bergführer die Gegend rundum den Kleinen Teich angepriesen und das wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Ich kenne Kanada bisher zwar nur von Bildern; was wir aber am Kleinen Teich sahen, kam meiner Vorstellung davon sehr nahe: glasklares Wasser und mächtige Berge vereint in wildromantischer Natur.

Teichbaude im Riesengebirge

Eine Beschreibung, wie sie auch auf Norwegen, der ursprünglichen Heimat der auf unserem Weg liegenden Holzstabkirche Wang passen könnte.

Kirche Wang

Seit 1844 hat sie ihren Platz unterhalb der Schneekoppe, aber fast wäre es anders gekommen und sie hätte auf der Pfaueninsel in Berlin ein neues Zuhause gefunden.
Unvorstellbar, ist sie doch aus Brückenberg nicht wegzudenken. Ihre Popularität dürfte mit ein Grund dafür sein, warum der angliedernde Eingang zum Nationalpark Riesengebirge belebter ist, als an anderen Stellen.
Tipp: Wer wie wir mögliche Schlangen an den Kassen umgehen möchte, kauft seine Tickets am besten vorab auf der Internetseite des Nationalparks

Inspiration Riesengebirge
10. August 2021
Donner, Rauschen! Aus 13 Metern stürzt das Wasser hinab in die Tiefe und macht ihn damit zum zweithöchsten Wasserfall des Riesengebirges. Die Rede ist vom Kochelfall, der uns am Tag vor unserer Abreise nach Petersdorf führte.
Bei einem Spaziergang entlang des gleichnamigen Flusses ist er leicht zu erreichen, wodurch er zahlreiche Besucher anzieht.
Blendet man aber alle Menschen aus, ist es ein paradiesischer Ort, der verdeutlicht, warum so viele Künstler im Riesengebirge Inspiration fanden.

Kochelfall

Wie Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann dessen Haus, Villa Wiesenstein, in Agnetendorf wir im Anschluss besichtigten.

Villa Wiesenstein Agnetendorf

So beeindruckend es mit seinen Türmchen und den durch die Bäume blitzenden, roten Dachziegeln von aussen ist, übertrifft sein Inneres alles. Allem voran die Empfangshalle an deren Sternenhimmel und bunten Wandmalereien ich mich nicht sattsehen konnte.
Dargestellt sind von Maler Johannes Avenarius Szenen aus Hauptmanns Leben und Werken unter die sich Blumen aus dem Riesengebirge mischen.

Empfangshalle Villa Wiesenstein

Auf seinem täglichen „Produktivspaziergang“ durch das selbige sammelte Hauptmann in einem Notizbuch Ideen und Reflexionen, die er danach im „Laboratorium“, wie er das Arbeitszimmer im ersten Stock nannte, seinem Sekretär diktierte. Verbleibende Zeugen dieses Rituals sind eine Schreibmaschine und ein grosser Schreibtisch. Dahinter ebenso grosse Fenster mit Ausblick in die ihn inspirierende Natur.

Gerhart Hauptmanns Arbeitszimmer in der Villa Wiesenstein

Abschied von Schlesien
11. August 2021
„Ich bin nur so traurig, weil es so schön war.“ Das sagte ich mir beim Blick auf das heutige Zgorzelec. Wir hatten am Morgen Krummhübel verlassen und standen jetzt am Neisseufer in Görlitz. Nach einer ereignisreichen Woche hiess es Abschied nehmen von Opas Heimat Schlesien, die ja auch irgendwo unsere ist.

Blick von Görlitz auf das heutige Zgorzelec

Wir waren noch in Görlitz, da machten wir beim Mittagessen im Schatten des „Dicken Turms“ bereits Pläne für unsere Rückkehr.
Bis es so weit ist, werden wir von den Erinnerungen an die 8 Tage im August zehren und auch darüber hinaus an jedem meiner Geburtstage an diesen einen ganz besonderen auf der Schneekoppe zurückdenken.
Wenn Sie bis hierher gelesen haben, bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und die Gelegenheit die Reise beim Schreiben noch einmal erlebt zu haben.
Bei Rückfragen und/oder Informationen zu Familie Hübner (Schmottseiffen Haus 19) scheuen Sie sich bitte nicht, mich zu kontaktieren.
Email: huebner_silkesf@yahoo.com